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Der Annapurna Circuit Trek

Der Annapurna Circuit Treck.

Jetzt ist es nun so weit. Die letzten 2 Wochen war uns schon ein wenig mulmig… Zwar hatten wir viel Zeit damit verbracht, Erfahrungsberichte von Bloggern zu lesen, Reiseführer zu studieren und Youtube Videos an zu sehen. Trotzdem weiß man nicht wirklich was einen erwartet. Zumal wir uns unserer ersten Erfahrung im Trekking näherten und der Annapurna Circuit Trek im Himalaya für uns – zumindest in unserer Vorstellung – eher eine respektvolle, harsche Region darstellte als das wunderschöne Gebirge in diesem wunderbaren Land. Ausgesprochen haben wir unsere beängstigten Vorstellungen jedoch nicht um uns gegenseitig nicht zu verunsichern… Gespürt haben wir die Gedanken des anderen jedoch schon.

 

Kathmandu, wir kommen…

Anreise
Zürich – Dubai – Kathmandu

Nach vielen Stunden des Wartens am Flughafen, des Zeitvertreiben im Flugzeug und einer Kurzen Nacht im Crown Plaza in Kathmandu ging es nun endlich los… Angst hatten wir keine mehr, es wäre dafür ohnehin zu spät gewesen. Dennoch hofften wir dass der 45 Minütige Anflug auf den Flughafen Tribhuvan und die unzähligen Gewitterzellen zwischen denen uns der Pilot unter größten Anstrengungen hindurch manövrierte die schlimmste Erfahrung bleiben wird die uns unser Abenteuerurlaub bescheren sollte…

Willkommenstafel am Flughafen Kathmandu.

In Kathmandu angekommen widmeten wir uns unserer ersten kleinen Herausforderung: wir hatten ein wenig Bedenken da wir mitten in der Nacht gelandet sind und keine Probleme mit unserem Aufenthalts Visum bekommen wollten. Zwar hat das Zeitalter der Digitalisierung bereits die Hauptstadt von Nepal erreicht und man konnte dieses an einem riesigen altmodischen Computer beantragen, bezahlen konnte man allerdings nur in bar. Das haben wir dann auch gemacht… wobei ich vergaß zu erwähnen dass das Kartenzahlungsgerät der Behörde zu dem Zeitpunkt nicht funktionierte oder vielleicht auch nicht existierte worauf die abgenutzte, wacklige Schublade hin deutete welche als Kasse dieser staatlichen Einrichtung genutzt wurde. Gleich daneben war zu Glück noch eine Wechselstube. Zum Glück? Nein! Sie können leider keine Euro tauschen… Glücklicherweise hatte ich in weißer Voraussicht eine 100 Doller Note mitgenommen welche ich unter ganz speziellen Umständen einmal erworben hatte… Sie rettete uns den Tag und machte die Einreise letztlich erst möglich. Wir nannten das Karma.

Auf der Suche nach unserem bereits 2 Wochen zuvor bestellten Hotel Taxi bekamen wir Erste Eindrücke der nepalesischen Kultur und Einstellungen ganz banalen Dingen gegenüber… So wurde uns zum Beispiel von dem Herren, auf wessen Liste wir für das Hotel Taxi standen angeboten für weniger als die Hälfte des Preises ein alternatives Taxi zu bekommen… Darauf ließen wir uns nicht ein und sind luxuriös für nepalesische Verhältnisse in einem kleinen klapprigen Taxi in eines der besten Hotels in Kathmandu gefahren – wie sich später heraus stellte.

Trekking Permit

Bei unseren Recherchen im Bezug auf die Organisation der Annapurna Trekking Permit´s haben wir für uns 2 Möglichkeiten identifiziert diese zu beantragen. Grundsätzlich gilt für den Annapurna Circuit dass dieser von 2 Richtungen umrundet werden kann. Von Pokhara Richtung Besishar oder von Besisahar Richtung Pokhara. Zweiteres ist unsere Wahl geworden. Im Nachhinein auch die besseren Entscheidung da die Akklimatisierung bedeutend einfacher ausfällt und der Anstieg auf den Thorong La Pass ebenfalls angenehmer ist. Die Trekking Genehmigungen kann man in Kathmandu wie auch in Pokhara beantragen. Dafür sollte man 4-5 Stunden einplanen. Je nach Öffnungszeiten, Entfernung zum Tourist Center und Saison. Eigentlich wollten wir aufgrund von Zeitmangel die Permit in Besisahar holen, was wir aber aufgrund von unterschiedlichen Meinungen letztlich nicht gemacht haben.

In verschiedenen Blogs habe ich gelesen dass die Permits in Kathmandu wie auch in Besisahar organisiert werden könne. Das kann ich so aber nicht bestätigen. Wir haben unsere Permits (Annapurna Circuit Trek – Trekking Permit und TIMS Card) beide in Kathmandu abgeholt. In Besisahar angekommen – am nächsten Tag – teilte man uns auf Nachfrage an dem Check Point mit dass dies eine falsche Information gewesen sei. Glück gehabt!

Um die besagten Permits zu beantragen setzt man sich am einfachsten in ein Taxi und lässt sich direkt zum Tourist Center fahren, alles andere (zu Fuß, mit dem Bus, ect.) ist nicht ratsam. Dort angekommen sind die beiden Behörden im gleichen Gebäude direkt neben einander. Erst wird die TIMS Card beantragt (hierzu müssen diverse Formulare ausgefüllt werden) und im Anschluss wird der Antrag für die Annapurna Trekking Permit ausgefüllt. Alle Dokumente bekamen wir innert 20 Minuten ausgestellt. Benötigt haben wir 3 Passbilder und gekostet haben uns diese ca. 40 Euro pro Person.

Tag 1
Kathmandu – Besisahar
Verschiedenste Transportgefährte gibt es in Kathmandu.

Am 16. Mai 2018 ging es vom Hotel in Richtung „BG mall“ um dort einen microbus in Richtung Besisahar zu bekommen. Zwar wollten wir ursprünglich zur Gongabu bus Station, unser Fahrer wusste allerdings nicht genau wo diese ist. Auch besagte mall hat er dann nur irgendwie durch Zufall gefunden. Einen kurzen Zwischenstopp gab es noch um eine prepaied Karte im Wert von 3 Euro zu Kaufen, dass man dafür ein Passbild benötigt – welches bereits den Wert dieser Karte überschritten hatte – hätten wir allerdings nicht gedacht. Das spielte auch gar keine Rolle, man hätte es vorher so oder so nicht wissen können. Denn ebenso die Tagelange Recherche nach der Besten Möglichkeit nach Besisahar zu gelangen erwiess sich im Nachhinein als Zeitverschwendung… In einer Stadt wie Kathmandu kommt alles anders als man denkt und Planung nach mitteleuropäischen Maßstäben ist wie das Wetter im Himalaya vorher zu sagen.

Endlich – auf den letzten Drücker – einen Microbus ergattert geht es direkt los. 8 Stunden Busfahrt erwarten uns um am Ende des Tages in einem Hotel am äußersten Stadtrand von Basischer (dem Ausgangspunkt des Annapurna Circuit Treks) zu nächtigen. Das heftige Gewitter welches während der gesamten Nacht wütete wollte uns keinen trockenen, Spaß erfüllten Urlaub versprechen. Auch die Worte der Hausdame der Lodge ließen verlauten dass die letzten Wochen jeden Tag Regen und Gewitter das Klima bestimmten. Nicht die Worte welche wir hören wollten…

Tag 2
Besisahar – Ngadi Bazar –  Jagat

Unser Wecker klingelt um 0530 Uhr. Es hat nicht aufgehört zu regnen, die Straßen ähneln kleinen Bächen und die Nepalis fahren ihre Busse und Jeeps vor um Einheimische und Touristen zu kutschieren. Ich mach mich schnell auf den Weg zum letzten Geldautomaten (ATM) für die nächsten 12 Tage. Am Vorabend war es leider nicht mehr möglich Geld ab zu heben… der Strom war ausgefallen und die Maschine musste neu gestartet werden. Zwar hatten wir in Kathmandu (auf dem Crown Plaza Gelände) bereits rund 1000 Doller (90´000 nepalesische Rupie) abgehoben was uns aber nicht als ausreichend erschien. Allerdings hatten wir die Kapazitäten des Geldautomaten offenbar bereits erreicht oder das Tageslimit war ausgeschöpft… genau wussten wir es nicht.

Ich renne durch den Regen und werde in meinen Odlo Sportklamotten von allen nur als Tourist identifiziert. Schnell noch 35´000 Rupie (maximal verfügbarer Betrag) geholt und wieder zurück. Susi hat bereits die letzten Sachen gepackt und wir begeben uns in den Aufenthaltsraum um zu Frühstücken. Dort warteten bereits der Holländer und der Chinese. Beide hatten wir am Tag zuvor schon kennen gelernt, bzw. wahr genommen. „Agent Cheng“ wie wir den Chinesen später tauften sprach leider kein englisch was die Kommunikation nur via Smartphone Applikation ermöglichte. Um punkt 0630 Uhr öffnet auch der Check Point an welchem wir uns registrieren mussten. Die Dame dort wirkte sehr unwissend und konnte uns nicht einmal sagen wann, geschweige denn von wo der Bus Richtung Ngadi Bazir fahren würde – wir hatten uns aufgrund des Wetters und nach Absprache mit dem Holländer dazu entschlossen ein Stück mit dem Bus zurück zu legen.

Der Bus von Besisahar nach Ngadi Bazir.

Die Einheimischen versuchten uns zu glaubhaft zu machen dass der Buß vielleicht gar nicht kommen würde oder erst am Mittag. Sie wollten allerdings nur ihren teuren Sitzplatz im Jeep an unwissende Touristen verscherbeln…

Gegen 0830 Uhr kam dann endlich der Bus. Nicht sehr Vertrauens erweckend und ein kleiner nerviger Junge der die ganze Zeit an der Tür stand und etwas auf Nepali aus dem Bus geschrien hatte… Einmal durch die Stadt gefahren wurde dieser vom Busfahrer verscheucht und es ging endlich weiter auf einer für europäische Verhältnisse nicht zulässigen „Straße“ die dem weich gefederten Bus in mehr Schwankung versetzte als ein Schiff in Seenot. Eine ganz normale Busfahrt wie sich später heraus stellen sollte. Ein kurzer Stopp folgt um die Trekking Permits erneut ab stempeln zu lassen, an wenigen Trekkern vorbei die noch in ihren Regencapes unterwegs waren erreichten wir nach etwa 4 Stunden Busfahrt Ngadi Bazir.

Jetzt geht es endlich richtig los… unsere rund 20 kg schweren Rucksäckt fest gezurrt setzten wir hoch motiviert einen Schritt vor den anderen, es hat aufgehört zu regnen!!! Unglaublich aber wahr, und es kommt noch besser – hingegen aller Prophezeiungen bezüglich des momentan herrschenden Klimas – es wird die nächsten 2 Wochen trocken bleiben!! Zwar werden die Bergspitzen noch für einige Tage mit Wolken verhangen sein, die Regenjacke wird jedoch im Rucksack bleiben. Die erste Hängebrücke naht und wir kommen uns vor wie Indiana Johnes wie wir diese mutig, ohne zu zögern, überschreiten.

Blick von der Dachterasse.

Nach insgesamt 4 Stunden Laufzeit und 14.8 zurück gelegten Kilometern und 480 Höhenmetern erreichen wir Jagat. Unser erster Stopp. Auf der Suche nach einer attraktiven Übernachtunsmöglichkeit stoppen wir kurz vor dem Ortsausgang. Auf der linken Seite steht eine farbenfrohe Unterkunft mit einer eisernen Wendeltreppe die auf eine Terrasse am Dach führt. Es sieht eigentlich ganz gut aus denken wir und lassen uns hier nieder für heute. Im Nachhinein betrachtet war es eine der Besten Lodges die wir auf dem gesamten Treck hatten. Der Hausherr hat sich nach vielen Jahren Arbeit in Dubai das Grundstück für umgerechnet 2´700 Euro gekauft und seinen Traum verwirklicht. Das Zimmer war wirklich toll und das Essen war unglaublich gut. Wir bestellten alles mögliche worauf wir Lust hatten, der Dal wird der beste sein den ich in meinem Leben bis dato gegessen habe…

Tag 3
Jagat – Dharapani

Wir stehen wieder sehr früh auf was für nepalesische Verhältnisse durchaus normal ist. Wieder sind die Bergspitzen mit Wolken verhangen, die Wetterprognose verspricht dass sich das auch für heute nicht ändern wird. Aber immerhin, trocken soll es bleiben. Wir machen uns auf zu unserer 15.7 km langen Tagesetappe welche wir abzüglich aller Unterbrechungen und Pausen in rund viereinhalb Stunden meisstern werden. Den Holländer haben wir am Tag zu vor verloren nur Agent Cheng ist uns geblieben und folgt uns auf Schritt und Tritt. Auch wenn wir uns nicht unterhalten können, wir empfinden seine Gegenwart als sehr angenehm und freuen uns dass er sich uns anschließt. Nach rund der Hälft der Strecke sehen wir auch den Holländer auf der gegenüberliegenden Flusseite in etwa 400 m Entfernung wandern. Er hat sich – nachdem er sich verlaufen hatte – dazu entschlossen auf der „Strasse“ weiter zu laufen. Er ist fast 2 m groß und schlägt mit seinen langen Beinen ein Tempo ein, dem wir langfristig nicht stand halten können und wollen. An unzähligen Marihuana pflanzen und tobenden Wasserfällen vorbei gelangen wir um 11:11 Uhr in Tal an um unsere ittagspause hier zu verbringen. Wir treffen den Holländer für ein letzte mal auf unserer Reise und verköstigen uns in dem Restaurant in welchem er – zusammen mit ein paar anderen – platz genommen hatte. Es soll sich als eine der schlechtesten Entscheidungen heraus stellen die wir auf der ganzen Rute getroffen hatten. Wir bestellen Gebratenen Reis mit Ei und Marsala Tee. Das Essen war kein Highlight und eher fettig als alles andere.

Einheimisches Ehepaar

Rund 1 Stunde später geht es weiter in Richtung Dharapani. Die Wolken welche schon seit dem frühen Morgen in den Bergspitzen hängen färben sich langsam immer dunkler und dunkler. Wenn man die Einheimische Bevölkerung frage wie das Wetter heute werden wird bekommt man immer die gleiche Antwort: „man weiß es nicht“. Ein Ehepaar – welches wir etwas später antreffen jedoch – bestätigte uns unsere Vermutung. Es solle sicher bald anfangen zu regnen… Zwar wollten wir noch weitere 5 km zurück legen an diesem Tag, jedoch ging es uns beiden alles andere als gut. Da nützte auch die ganze Vorsicht nichts, das Wissen was wir uns versuchten im Vorfeld an zu eignen um einer Lebensmittelvergiftung aus dem Weg zu Genen, die Milchsäurebakterien die bereits 5 Tage vor Reiseantritt unsere Darmflora aufpolieren sollten… Alles vergebens, es hatte uns voll erwischt! Meine Willensstärke auf die ich sonst immer so stolz war… Sie war gebrochen. Noch nie habe ich mich so am Boden zerstört gefühlt wie an jenem Tag… Gerade so schleppten wir uns noch in die erst Beste Lodge in Dharapani wo wir eine Nacht mit Fieber, Flüssigkeitsverlust und unbeschreiblicher Übelkeit verbrachten. Uns ging es so dermaßen schlecht, dass wir uns nicht im Stande sahen unsere Reise weiter fort zu setzen. Ich hasste mich selber dafür 7 kg Kameraequipement inklusive Stativ und Drohne mitgenommen zu haben. So erschöpft wie wir waren und der Erwartung den schweren Rucksack noch weitere 180 km tragen zu müssen kalkulierten wir unsere Ausgaben erneut um zu eruieren ob wir uns einen Porter leisten könnten. Das war zwar von Anfang an keine Option, so schwach wie wir waren sahen wir aber keinen anderen weg mehr.

Tag 4
Darapani – Daragyu
„SAFE WATER STATION“

Den Rucksack mit dem nötigsten gepackt ließen wir Spielkarten, Sonnencreme, Duschbad und Shampoo, Rasierzueg und was noch alles so entbehrlich war zurück und machten uns daran die letzten 4.7 km der Rute vom Vortag zu vervollständigen. 380 Höhenmeter galt es zu überwinden bis wir nach wenigen Stunden in Daragyu angekommen waren. Erschöpft liessen wir uns nach dieser kurzen Etappe in einer zweitklassigen Lodge nieder und verbrachten den Abend damit unseren Wasserhaushalt auf zu füllen und erneut zu Kräften zu gelangen. Wir schliefen am frühen Nachmittag ein und wachten mit unglaublicher Energie am nächsten Morgen auf. Wie neu geboren sprangen wir aus unseren Schlafsäcken voller neu geschöpfter Motivation einem neuen Tag entgegen. Als mögliche Ursache haben wir mittlerweile auch das Wasser identifizieren können welches überall verkauft wird. Zwar ist es wichtig darauf zu achten nur versiegelte Wasserflaschen zu kaufen, doch kamen uns diese Siegel im Nachhinein bei der einen oder anderen Flasche etwas spanisch vor. Teilweise waren die Flaschen verbeult und schmutzig verkauft worden was nicht darauf deutete dass das Siegel aus der weit entfernten Fabrik mit strengen Auflagen zur Wasserfilterung stammte. An heute sollten wir nur noch unseren mitgebrachten Wasserfilter verwenden. Empfehlenswert sind auch die Save Water Stations welche auf dem Großteil der Strecke zu finden sind. Das Wasser wird mittels diversen Filtern in einen Großen Tank gelassen und kostet genau so viel wie die Flaschen in den diversen Geschäften. Außerdem – und das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor – wird dadurch viel weniger Müll produziert. Leider verfügt Nepal landesweit über keine Entsorgungseinrichtung geschweige denn über eine Recycling Anlage.

Tag 5
Daragyu – Chame – Lower Pisang
Der Erste 7000er

Wir können es noch immer nicht glauben… Es geht uns besser als all die Tage zuvor, wir machen uns lustig darüber wie wir das Gewicht unserer Rucksäcke versucht haben – am Tag zuvor – mit Spielkarten und Sonnencreme zu reduzieren und stellten uns vor wie die Frau des Lodgebesitzers in Dharapani sich über die Geschenke freuen oder belustigen würde. Nach einem Energiespendenden Frühstück machen wir uns auf den Weg unserer nächsten Tagesetappe. Strotzend vor Kräften sollten es 26.3 kg und 1023 Höhenmeter werden… Wir laufen wieder durch dichte Wälder und haben das Gefühl das wir dem Himmel immer näher kommen. An kleinen Siedlungen vorbei gelangen wir nach rund der Hälfte der Tagesetappe auf eine, zunächst überschaubare lichte Grünfläche die beim zurück blicken plötzlich – völlig unerwartet – den Blick auf etwas frei gibt was ich zuvor im Realen noch nie gesehen hatte: Nun standen wir da und trauten unseren Augen nicht. Es war gigantisch und unreal wie sich der Blick auf den 7000er hinter uns frei legte. Wir haben ihn die ganze Zeit nicht gesehen, denn erst jetzt beginnt die Wolkendecke – in welche der Berg den ganzen Vormittag gehüllt war – auf zu reißen.

Das Ziel für heute hieß Lower Pisang. Es war die letzte Möglichkeit nach dem ärgerlich verlorenen Tag noch einmal Strecke gut zu machen. Bedingt dadurch dass wir am 5. Tag die 3000 Meter Marke überschritten war es uns aus Gründen der empfohlenen Akklimatisierung nicht möglich mehr als 500 Höhenmeter zu überwinden. Wir hatten uns zwar verhältnismäßig viel mit der Höhenkrankheit auseinander gesetzt, erforscht ist die Ursache dieser allerdings noch nicht was es schwierig macht sich dagegen zu schützen. Die 2 wichtigsten Faktoren die wir letztlich identifizierten waren die langsame Akklimatisierung und eine ausreichende Kontrolle des Wasserhaushaltes. Das bedeutete für uns: Sehr viel trinken!

In dieser Nacht registrieren wir zum ersten Mal einen deutlichen Temperaturabfall in der Nacht. Natürlich, es war ja auch die 3. von 4 Klimazonen die wir auf dem Annapurna Circuit durchlaufen würden. Am Tag zuvor waren wir noch im subtropischen Regenwald gewesen, 1000 Meter höher hatten wir gefühlte 4° C die auch von den dünnen Glasscheiben unseres Zimmers nicht abgehalten wurden. Der Ausblick allerdings war unglaublich…

Tag 6
Lower Pisang – Manang
Upper Pisang

…am nächsten Morgen kletterte die Sonne – nachdem wir unsere Sachen schon gepackt hatten – über dem Bergkamm hervor und ließ das – auf der anderen Flussseite liegende – Upper Pisang im morgentlichen Nebel und Weihrauch-Schwaden erstrahlen. Die Gesamte Szenerie entwickelte sich binnen weniger Minuten und war eines der Eindrücklichsten Bilder welches wir von der Umrundung des Annapurna Massives mitnehmen sollten… Unser tägliches bereits am Vorabend vorbestelltes Frühstück genossen wir frierend in der Gemeinschaftsstube welche wir leider für uns ganz alleine hatten. Wären mehr Trekker in der Lodge gewesen hätten die Besitzer sicher auch den Kamin angefeuert. So machten wir uns schnellst möglich auf den Weg mit diversen Kleidungsschichten unsere Wanderung fort zu setzen. Zumindest bis wir nach rund 60 Minuten damit begannen diese Schichten wieder ab zu legen. Die Karge Steppe welche uns auf rund 3500 Höhenmetern eröffnete ließ uns am frühen morgen tatsächlich ins schwitzen bringen.

Aber nicht nur das Landschaftsbild begann sich erneut zu wandeln, auch erreichten wir langsam den buddhistischen Teil von Nepal welchen wir als noch eindrücklicher in Erinnerung behalten sollten als den hinduistischen. Irgendwie tiefgründiger und spiritueller ist alles geworden. Zahlreiche kleine und riesen große Gebetssteine schmückten den Wegesrand, tibetanische Gebetsfahnen und Gebetsmühlen zierten immer wieder die Dörfer und Streckenabschnitte auf welchen wir uns jetzt befanden. Hängebrücken die mit tausenden von bunten Flaggen geschmückt waren zierten das Landschaftsbild und ließ unsere Abenteuerlustigen Herzen höher schlagen.

Annapurna II (7937 m)

15 km und 400 Höhenmeter bis nach Manang legen wir staunend zurück in einer Landschaft welche wir so in dieser Höhe nun wirklich nicht erwartet hätten. Irgendwie ausgetrocknet aber dennoch fruchtig erschien die Umgebung und das nächste Highlight ließ nicht lange auf sich warten. Noch gar nicht richtig begriffen wie sich die Szenerie erneut wandelte eröffnet sich für uns der Blick auf Annapurna II. Mit seinen 7937 Metern war er bis dato der größte Berg den wir je gesehen hatten. So überwältigend in seiner Größe und Schönheit wie er sich dort in das Bild meißelte so surreal war die Vorstellung sich praktisch am Fuße eines der höchsten Berge dieser Erde zu befinden. Nicht satt sehen konnte ich mich an diesem Anblick, beinahe zu schön um es zu Photographieren.

Kamera positionieren für Milchstrassenphotogrpahie.

Gegen 1300 Uhr erreichen wir Manang – das Miami des Annapurna Circuit Treks. Eine Art Großstadt im Vergleich zu den anderen Dörfern die wir durchwanderten. Es wird geraten hier einen Akklimatisierungstag ein zu legen damit sich der Organismus and die Höhe von 3500 Metern gewöhnen kann bevor es weiter geht. Zwar war ich skeptisch gewesen einen Ganzen Tag an einem Ort zu verbringen nur um sich noch besser und langsamer an die Höhe zu gewöhne als wir es ohnehin schon machten, im Nachhinein – würde ich die Reise noch einmal machen – würde ich definitiv noch mehr Zeit an diesem wunderbaren Ort verbringen wollen.

Am Tag der Ankunft suchten wir die Himalaya Lodge auf der rechten Seite des Ortseingangs – noch vor dem urtümlichen, alten Manang – auf. Nicht die Beste Entscheidung wie sich hinterher herausstellen sollte. Zu geizig 3 Euro mehr für eine Übernachtung zu zahlen quartierten wir uns dort für einen Tag ein. Das wlan war nur kurzzeitig verfügbar und wenn, dann auch nur schwach.

Das Zimmer war mit Blauem Isolierschaum ausgekleidet und die Toilette/Dusche wurde das letzte mal wohl bei Saisonbeginn von den Vermietern gereinigt. Das beste an der Lodge war – zumindest für mich – das Flachdach auf dem ich heute nach das erste mal in Nepal die Milchstraße Photographie Ren werde. Hoch oben über der Stadt an einem der dunkelsten Orte der Erde erhob sie sich über Annapurna III, eine eindrucksvolle Erinnerung an diesen wunderbaren Ort Manang.

Tag 7
Aklimatisierungstag – Chongkor View Point
Chongkor view Point

Für unseren Akklimatisierungstag in Manang haben wir uns vorgenommen einen Tagesausflug zum Chongkor View Point zu machen. Gerade einmal 4.8 kg und nur 310 Höhenmeter stellen bei unserer momentanen konditionellen Verfassung keine Herausforderung mehr dar. Der Aussichtspunkt ist nach 1 Stunde Gehzeit auf schwindelerregenden Pfaden erreicht offenbart einem den mit tausenden von Gebetsfahnen geschmückten Blick auf den gigantischen Gletscher des Gangapurna Massivs. Bevor wir jedoch diesen Kurztrip antreten packen wir unsere Sachen und checken aus. Ein schneller Besuch bei der Save Water Station und die neue Unterkunft die wir ausgemacht haben heißt „Tilicho Hotel“. Sie ist allein schon eine Reise wert. Das Hotel ist organisiert geführt, die Zimmer sind Sauber und die Küche ist ganz besonders gut. Am Tag zuvor haben wir bereits beschlossen bei einem der regionalen Bäcker zu frühstücken uns seit langem einmal wieder einen Kaffee zu genießen. Grundsätzlich wir von dem Alkohol- und Kaffeegenuss abgeraten da beides stark dehydrierend wirkt. Heute ist das aber egal… Bereits um 0700 Uhr brennt die Sonne so stark dass wir Sonnencreme auftragen müssen. Vor uns stehen 2 Tassen hervorragender Cappuccino (hätten wir nicht erwartet), eine frisch gebackene Zimtschnecke und ein noch dampfender Apfelkuchen der so frisch ist dass er auf dem Teller auseinander fällt. Die Äpfel stammen von dem 10 km entfernten Bauern der grießige Plantagen besitzt. Die Region ist für den Anbau von Äpfeln und für die daraus hergestellten Apfelkuchen mehr als bekannt. Zwar kann man behaupten dass uns dieses Frühstück nur so gut geschmeckt hat weil wir mit dem Moment emotional eine spezielle Verbindung haben, aber dennoch, das Gebäck war auch am nächsten Morgen noch immer handwerklich wie kulinarisch eine Offenbarung.

Der Altitide Talk

Pünktlich um 1500 Uhr sind wir zurück. Heute am 22. Mai ist das letzte mal für die Saison der Altitide Talk angesetzt. Ein rund einstündiger Vortrag eines Arztes des Notfallzentrums in Manang. Es geht darum den Touristen über die Gefahren der Höhenkrankheit zu informieren, wie diese zustande kommen kann, wie sie erkannt wird und was man im Falle einer Erkrankung zu tuen hat. Auch für den Fall dass ein Einheimischer oder ein Trekker auf dem Circuit Verletzungen oder einen Unfall erleidet würde dieser in das besagte Notfallzentrum gebracht werden. Auf dem weiteren Verlauf gibt es leider keine derartige Einrichtung mehr – zumindest bis nach Muktinath, auf der anderen Seite des Thorong La Pass.

Tag 8
Manang – Yak Kharag
Milchstraße über dem Himalaya.

Um 0630 Uhr starten wir mit vollem Magen in unseren nächsten Tag. Es geht nach Yak Kharag. Wie der Name vermuten lässt ist es sehr wahrscheinlich auf dem Weg dort hin auf den einen oder anderen Yak zu stoßen. Wieder sind es weniger als 10 km die wir zurück legen werden (9.35 km um genau zu sein). Denn unsere maximale, zu überwindenden Höhenmeter von 510 m erreichen wir bereits nach rund 3 Stunden. Am Ortseingang von Yak Kharag finden wir wieder eine Save Water Station. Allerdings die erste bei der Selbstbedienung angesagt ist. Das Geld stopft man dann durch einen Schlitz in einen völlig überfüllten Holzkasten. Misstrauen scheint man hier nicht zu kennen… Die Wettervorhersage für die Nacht ist besonders gut was mich bei der Entscheidung unterstützt den Wecker doch noch einmal auf 01:00 in der Nacht zu stellen um mein Glück mit der Milchstraße noch ein zweites mal zu versuchen. Es soll eines der Besten Bilder seiner Art werden die ich bis dato gemacht habe. Noch eindrücklicher ist die Erinnerung an diesen Moment wenn man bedenkt dass in der Entfernung ein Gewitter die weiß bedeckten Bergspitzen beleuchtete und dem Bild eine ganz besondere Stimmung verleiht.

Tag 9
Yak Kharag – Thorong Pedi und Aklimatisierungslauf zum High Camp
Wanderstiefel auf Steinmauer.

Und wieder geht es früh los, der Himmel ist noch mit Wolken überzogen… wir werfen zum letzten Mal einen Blick auf den Wetterbericht für die nächsten zwei Tage. Er verspricht gutes Wetter was uns etwas erleichtert, aber nicht den Respekt verlieren lässt vor dem was uns am nächsten Tag erwartet. Zwar sind die Wettervorhersagen im Gebirge – und im Himalaya erst recht – nicht gerade etwas das mit mitteleuropäischem Standard zu vergleichen ist. Eine gute Prognose hingegen ist besser als das Gegenteil. Die Wolkendecke wird schon bald wieder aufreißen und einen stählend blauen Himmel offenbaren. Der Wind ist frisch aber wir laufen in der Sonne noch immer in kurzen Hosen. Eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor ist mittlerweile Pflicht geworden denn die UV-Strahlung wird in der Höhe immer intensiver. Vorbei an schmalen Pfaden folgen wir dem Weg in Richtung Thorong Pedi, ein Teehaus kurz vor unserer Unterkunft für den heutigen Tag gibt uns die Möglichkeit für eine Kurze rast. Überraschend viele Tracker legen hier einen Moment des Verschnaufens ein, die Luft ist dünn geworden und macht das Vorrankommen nicht gerade einfacher. Sanddornsaft ist die Empfehlung oder ein warmer Tee – zumindest laut Reiseführer! Das Tagesangebot des Wirtes hingegen sieht ganz anders aus… „Wenn ihr nichts trinken wollt, wollt ihr vielleicht einen Joint…?“ sagte er. Wir lehnten dankend ab, ich interessiere mich hauptsächlich für die alten, abgetragenen Wanderstiefel auf der rustikalen Steinmauer. Sie gehörten dem Wirt wie sich schließlich heraus stellte. Für seine Verhältnisse – so empfand er – sind diese nur sehr gut in Schuss… Ich mache 2-3 Photos und es geht nach einem Müsliriegel weiter. Nur noch rund 2 km trennen uns von dem Tagesziel. Langsam bekomme ich Kopfschmerzen was aber durchaus normal ist wenn man sich der 4500 Meter Marke nähert. Wenn diese am nächsten Morgen verschwunden sind ist das kein Problem – lernten wir beim Altitude Talk! Das letzte Hindernis der Tagesetappe sollte ein 200 m lange „landslide area“ sein. Ein Erdrutsch und Steinschlag gefährdetes Gebiet welches laut Reiseführer ein gewisses Maß an Trittsicherheit erforderte. Wir passierten auch diesen Abschnitt Mühelos und ohne Komplikationen. Jetzt sind es nur noch wenige Meter bis nach Thorong Pedi. Zwar hatten wir damit gerechnet dass der letzte Ort aus mehr als 3 Lodges besteht aber das machte die Wahl der Unterkunft um so leichter. Wir wählten die Erste (untere) und entschieden uns zur Feier des Tages für die höchste Kategorie: Ein Zimmer mit eigener Toilette!! In der Nacht vor meinem 30. Geburtstag gönnte ich mir also etwas ganz Besonderes.

Bevor es aber so weit war stellten wir unsere Sachen in der Luxus Suite ab und machten uns auf zu einem kurzen Ausflug zum High Camp – der letzten Unterkunft vor dem Thorong La Pass. Der Kurztrip soll der Akklimatisierung dienen ist aber auch Ratsam, da wir am nächsten Morgen noch vor Sonnenaufgang starten werden.

Tag 10 – DER GROßE TAG
Thorong Pedi – Thorong La – Muktinath

Die Überschreitung des Thorong La Pass – mit Abstand das Spektakulärste Erlebnis des gesamten Annapurna Circuit.

Mit Stirnlampe richtung High Camp.

Nach unserem – bereits am Vortag bestellten – Frühstücks und zwei Zimtschnecken für unterwegs starten wir in die schwierigste aber zugleich aufregendste Etappe des gesamten Annapurna Circuits. Der Himmel sieht vielversprechend aus, eine wahre Erleichterung. Im Himalaya ist es nicht untypisch dass sich das Wetter schlagartig ändert was bereits in der Vergangenheit bei Trekkern wie auch Führern für große Probleme sorgte. Keiner möchte sich der Herausforderung eines Blizzards oder anderen unerwünschten Überraschungen an einem so abgeschiedenen Ort stellen müssen. Wir haben Glück und das Wetter könnte besser nicht sein. Es ist der 25. Mai 2018 – mein 30. Geburtstag.

Duschen ist auf 4500 Metern nicht mehr drin. Das Wasser in den Schläuchen gefriert und ist erst am Mittag wieder flüssig. Auch das Licht in unserer Luxuriösen Suite funktioniert nicht. Es ist an eine Solarzelle geschlossen und spendet nur tagsüber Licht, bzw. wenn die Sonne scheint. Warum an einem sonnigen Tag künstliches Licht benötigt würde konnten wir uns nicht erklären – wir fragten aber auch nicht nach.

Sonnenaufgang im Himalaya.

Um 0430 Uhr geht es los, die Stirnlampe erleuchtet uns den Weg. Wir sind die Ersten – noch vor allen anderen ca. 20 Trekker die mit uns gemeinsam den Aufstieg heute wagen. Die Schritte sind schwerfällig und langsam setzen wir einen Fuß vor den anderen. Knapp 1000 Höhenmeter lieben vor uns und werden die anstrengendsten Schritte unseres Abendeuters sein. Nach etwa 30 Minuten beginnt die nautische Dämmerung. Langsam fängt der Himmel an atemberaubende Wolkenformationen zu offenbaren. Es ist sagenhaft schön und wird sich für immer in mein Gedächtnis einbrennen als eines von vielen Geschenke die ich an diesem Tag erfahren sollte. Wie eine Gigantische Walze bewegt sich die Formation am Himmel über uns hinweg. Der Horizont färbt sich langsam immer blauer und die Wolke ändert ihre Farbe im Takt des Himmels. Erst Lila, dann Orange und später Silber-Golden. In der Ferne sind die Bergspitzen der 8000er mit Schnee bedeckt. Unterhalb dieser presst sich eine dichte Wolkendecke durch die Täler am Fuße der Giganten. Es ist der Perfekte Sonnenaufgang an einem Perfekten Tag.

Thorong La Pass.

Nach 75 Minuten erreichen wir das High Camp. Nur die Härtesten wagen es sich der empfohlenen Akklimatisierung zu widersetzen und übernachten auf rund 4900 Metern Höhe. Die Sauerstoffsättigung beträgt hier nur noch knapp 50 % und macht das Atmen, das Laufen und das Denken in einem unvorstellbaren Masse schwer. Es verlangt uns ein überaus hohes Maß an Willensstärke ab. Noch viel mehr als jeder Reisebericht, jeder Reiseführer oder Blogger den schwersten Teil des Annapurna Circuit Treks mit Worten beschreiben kann. Um 06:36 klettert die Sonne über dem Bergkamm hervor und lässt den sich gerade bildenden Nebel unterhalb in silbernem Glanz erstrahlen. Wir haben gerade eben die 5000 Meter Marke überschritten. Die Hälfte ist also geschafft, nur noch 416 erbitterte Höhenmeter gilt es zu überwinden. Es wird noch spöttische 111 Minuten dauern bis wir den höchsten und überwältigensten Moment unserer Annapurna Umrundung erreichen werden. Genau um 08:27 Uhr Ortszeit ist es dann soweit. Wir haben unter größten Anstrengungen den höchsten Punkt unserer Reise erreicht. Welcher Ort könnte besser sein für die Frage aller Fragen? Ich mache es kurz – Sie hat JA gesagt!

Wir verbringen noch knapp 50 Minuten an jenem Ort bis wir uns auf den beschwerlichen 1750 Höhenmeter zu überwindenden Abstieg vom Thorong La Pass machen werden. Wer denkt dass es mit der Überschreitung getan ist, der hat sich leider getäuscht…

Blick vom Thorong La Pass Richtung Muktinath.

Der Blick von oben herab ist unwirklich und erschöpfend zu gleich. Solche Distanzen erlebt man normalerweise nur wenn man aus dem Fenster eines Flugzeuges auf die weit unter einem liegende Landschaft blickt. Es ist eine grüne Oase in Mitten der trockenen, steinigen Felslandschaft und ein Pilgerort für viele Hindus dem wir uns langsam aber sicher nähern. Muktinath werden wir rund 4 Stunden später Stolz und voller Ehrfurcht erreichen. Mit dem Wissen was wir heute erreicht haben gibt es uns die Kraft und die Vorstellung alles im Leben erreichen zu können.

Es wartet eine heiße Dusche wie auch ein lange ersehnter Yak Burger in dem grandios geführten Bob Marley Hotel am Ortseingang auf uns. Wir sehen der Sonne beim Untergang von einem Buddhistischen Tempel aus zu und begeben uns nach einem Stück köstlichen Apfelkuchen in unser wohl verdientes Schlafgemach…

Tag 11
Muktinath – Jomsom, über Kagbeni und Tiri (Königreich Mustang)
Handwerkskunst in Muktinath

Unsere Reise geht nach einem ausgiebigen Frühstück und einer Tasse Tee weiter. Wohl in dem Wissen die größte Hürde bereits geschafft zu haben sind unsere Gedanken auf eine gewisse Art und Weise freier als sie es je zuvor waren. Wir verabschieden uns von Muktinath und ziehen vorbei an den zahlreichen Marktständen welche zu Hauf selbst hergestellte Subveniere und Kleidungsstücke verkaufen. Trotz der wunderschönen Muster und Farben haben wir uns nicht hinreißen lassen. Mussten wir ja schließlich alles noch die nächsten Tage tragen.
Es geht noch ein Stück durch die Karge Felslandschaft in welcher sich immer wieder kleine Siedlungen auf den unwirklichsten Anhebungen und Felsvorsprüngen finden lassen. Es dauert nicht lange bis wir durch saftig grüne Oasenlandschaften unseren Weg weiter bestreiten. Er führt uns eine Weile auf der geteerten Straße durch das nun wieder staubig-karge Areal bis wir schlussendlich and die Mündung des Valley of the winds gelangten. Ein Tal am Fuße zweier 8000er welches für die starken Winde bekannt ist die gegen Mittag aufkommen. Unsere Route führt uns über Kagbeni, eine kleine Ortschaft am Rande von Mustang. Lange Zeit war es für Touristen verboten das uralte Königreich Mustang zu betreten. Seit wenigen Monaten hingegen wurde nun der Zutritt auch ohne Bewilligung bis zu der kleinen Siedlung Tiri gestattet. Wohl in dem Wissen dass wir es nicht schaffen werden das Tal der Winde vor 12 Uhr zu durchqueren machten wir uns auf in das einst verbotenen Reich. Der Weg führte uns über eine kleine Holzbrücke vorbei an einem stark vertrockneten Flussbett weiter durch steinige Felslandschaft. Der Wind ist bereits hier so stark dass es schwierig geworden ist miteinander zu kommunizieren. Aber auch der mystische Ruf des verbotenen Königreichs Mustang hinterlässt bei uns ein mulmiges Gefühl welches wir erst wieder los werden als wir das Gebiet verlassen haben.

Tiri im einst verbotenen Königreich Mustang

Zurück in Kagbeni versuchen wir einen Bus zu organisieren welcher uns bis nach Jomsom bringt. Leider gestaltet sich das als sehr schwierig und letztlich landen wir zum Lunch bei einem Chinesen welcher uns mit reichlich Momos versorgt. Hier erfuhren wir nun auch mehr über die Möglichkeit einen Transport zu organisieren. Wir entschlossen uns aufgrund der langen Wartezeit es zu Fuß zu versuchen. Anfangs funktionierte das auch sehr gut bis die Winde immer stärker und stärker wurden.
Nach ca. 2 Stunden holte uns der Bus ein nach dem ich schon die ganze Zeit Ausschau hielt. Denn die Winde sind unerträglich stark geworden. So stark, dass es fast nicht möglich war zu atmen. Zum Glück gelang es uns den Bus zu stoppen und wir nutzten die Gelegenheit die letzten 5 km ab zu kürzen.

Tag 12
Jomsom – Tatopani

Bereits am Vortag hielten wir stolz die 2 Bustickets in der Hand die uns innert wenigen Stunden nach Tatopani bringen sollten. Eines der unattraktivsten Teilstücke der Strecke da die Route meist auf staubigen, befahrenen Straßen durch das Land führt. Touristen dürfen hinten sitzen, so oder so ungefähr haben wir von unserem Glück der Sitzplatzverteilung erfahren. Unsere Rucksäcke legten wir noch schnell in den „Kofferraum“ und schon ging es los. Da dies nun nicht unsere erste Busfahrt war dachten wir mittlerweile zu wissen was wir erwarten können. Doch dieses mal kam alles anders…

Strasse Richtung Tatopani

…vielleicht hatten wir bisher auch einfach nur Glück dass die Busfahrer rücksichtsvoller waren als der heutige. Er auf jeden Fall hat es auf unserer Liste der respektlosen Menschen bis ganz nach oben geschafft. Ein Wunder der Technik würde ein anderer vielleicht sagen. Denn auch wir hätten nicht erwartet das ein Fahrgestell welchen Gefährts auch immer solch eine Tortur durchstehen könnte. Die Straße – so nennen wir die in das Erdreich gefressene 3 Meter breite Spur einmal – war unebener und mit Steinbrocken und Felsen übersäter wie sie es nur hätte sein können. Das in Kombination mit dem Bleifuß Problem des Fahrers hat diese Fahrt wirklich zu etwas unerwartetem gemacht.
Aber im Ernst, wie soll ich das beschreiben wie wir 4 Stunden lang auf der Rückbank eines 30 Sitzigen nepalesischen Busses verbrachten. Dabei 43 Kilometer und 1700 Höhenmeter Talwärts von einer in die nächste Klimazone fuhren und uns mit aller Kraft versuchten in die Sitze zu pressen? Von den Abschnitten an denen der Bus kurz vorm Umkippen stand oder von den Abgründen die so tief waren wie die Wolkenkratzer der Frankfurter Skyline. Wer wird mir glauben wenn ich erzähle dass mir die aufgeschürften Kniee und Beine egal waren da dies die einzige Möglichkeit war mich in die Sitze zu klemmen. Denn was ich nicht mehr wollte war zum 13. mal das Lüftungsgitter oberhalb von mir mit Hilfe meines Kopfes aus der Fassung zu hämmern.

Spuren der Busfahrt

Um es zum Abschluss zu bringen: es war das mit weitem Abstand schlimmste Stück unserer Reise welches wir in Nepal erfahren durften. Auch wenn das verarmte, steinalte, nepalesische Ehepaar eine Reihe vor uns die ganze Situation etwas erdete. Und uns auf eine suggestive Art Dankbarkeit, für alles was wir in unserem Leben haben, verspüren lies. Als wir dann endlich in Tatopani angekommen waren und uns der Fahrer unsere Rucksäcke aus dem Verschlag seines Busses überreichte war alles vorbei. Die 5 mm dicke Erdschicht darauf ließ uns nun die lange unterdrückten Tränen in die Augen steigen.
Wir begaben uns auf die Suche nach einer Unterkunft welches uns zum Tagesabschluss nicht leicht gemacht wurde, aßen auch für die herrschenden Verhältnisse nur zweitklassiges Essen und schliefen schon bald vor mentaler Erschöpfung ein.

Tag 13
Tatopani – Ghorepani

Auf nahezu 1000 Höhenmetern angekommen steht nun noch einmal eine letzte Große Etappe mit 1700 m Anstieg vor uns. Keine wirkliche Herausforderung mehr nach dem ganzen Training welches wir hinter uns haben. Es geht nach Ghorepani.

Die Frau und der Yakkäse

Die 15 km führen meist durch dichte subtropische Wälder in welchen wir alle Stunde einmal auf eine kleinere Ortschaft Treffen. Das einzige motorisierte Vehikel welches uns and diesem Tag begegnet ist der Schulbus der seinen Weg durch die mit Erdrutschen durchzogene Berglandschaft bahnt. Einen Großteil der Höhenmeter überwinden wir spielerisch auf den Tausenden und Abertausenden von Hand angelegten Stein Stufen in mitten des dichten Waldes.
Wir machen Halt in einem kleinen Restaurant. Ich Bestelle mir eine Portion Yakkäse welchen die Mutter des kleinen Jungen welcher uns zunächst empfangen hat in aller Seelenruhe aus einem Laib heraus schnitzt. Wir sind ungeduldig aber setzten schon bald unsere Reise fort.

Poon Hill

Super View ist der Name des sehr gut geführten Hotels oberhalb von Ghorepani. Nicht nur wegen seiner guten Rezensionen wählen wir es. Es ist auch am nächsten gelegen am berühmten Poon Hill Aussichtspunkt. Eine Erhebung von rund 300 Höhenmetern die es früh am Morgen – noch vor Sonnenaufgang – mit Stirnlampe zu bestreiten gilt. Wer es macht und das Wetter mitspielt kann mit einer Sicht auf das Atemberaubenden Bergpanorama belohnt werden.
Ich war der Erste an diesem Tag von den rund 80 anderen welche den Ort noch überschaubar hielten. Belohnt wurde ich an diesem Morgen mit Eindrücken und Bildern die so gewaltig und unvergesslich für mich sind wie die ganze Reise selbst. Auch eine Freundschaft habe ich an diesem Morgen geschlossen. Manish, ein junger Mann aus Kathmandu welcher mit mir die Freude und die Leidenschaft der Photographie teilt.
Wir sind schon ganz gespannt! Ghandruck, das Troja des Annapurna Circuit Treck ist nur noch wenige Stunden vor uns. Mit seinen malerisch angelegten Terrassen, den eben verlaufenden fachmännisch angelegten Wegen welche gezäumt sind von blühenden Blumen und Sträuchern.
Unzählige gut geführte Hotels finden wir dort vor und landen letztlich im Milan Hotel mit der wunderschönen großen Terrasse in welchem wir im komfortablen Zimmer verweilen werden. Wir genießen Die Ruhe und Kraft der Natur. Die Schönheit des Ortes und das hochwertige Bäckereihandwerk.

Tag 14
Ghandruk – Nayapul
Frühstück im Milan Hotel

Nach einer Kanne Ingwertee und einem perfekt zubereiteten Porridge auf der blühenden Terrasse. Und dem Blick auf die aufgehende Sonne welchen den „Fischkopf“ in der Ferne in seiner ganzen Pracht erstrahlen lässt führt uns unser Weg zu unserer letzten Etappe unserer Reise. Die Regenzeit steht vor der Tür und kündigt sich mit immer wieder kehrenden kurzen und länger andauernden Regenschauern an. Wir sind ausgerüstet und lassen uns nicht davon abhalten weiter zu gehen. Gelegentlich müssen wir stoppen um nicht den heftigen Schauern ausgesetzt zu werden. Wieder überqueren wir unzählbar viele rutschige Steintreppen vorbei an stürzenden Bächen und ebenso vielen nicht zählbaren Steinmännchen entlang des Wegesrandes. Angekommen in Nayapul holen wir unseren letzten Stempel ab, suchen uns einen Bus der uns hoffentlich sicher und bequemer nach Pokhara bringen wird. Wir verabschieden uns mit einem lachenden und weinenden Auge. In dem Wissen dass die Zeit jetzt gekommen ist etwas hinter sich zu lassen mit dem wir die letzten 14 Tage so eng verbunden wurden wie ich es beinahe nicht beschreiben kann.

Pokhara

Pokhara ist ein 250 Tausend Einwohner Metropole in Zentral Nepal welche auch als Start- bzw. Endpunkt des Annapurna Circuit Treck bekannt ist. Wie auch für die vielen Pilgerer die mit den hunderten von kleinen Booten im Phewa See zum Tal-Barahi-Tempel übersetzen. Hier werden wir noch weitere 3 Tage verbringen, gutes Essen genießen, entspannen und das Erlebte verarbeiten bevor wir uns zurück nach Kathmandu begeben um unsere Heimreise an zu treten.
Wir behalten Nepal als das wunderbare Land in Erinnerung welches es mit all seinen Ecken und Kanten ist. Viele Menschen und neue Kulturen die wir kennen lernten durften aber vor allem das erdende Gefühl welches uns noch heute Kraft spendet wenn wir an unsere Erfahrungen zurück denken.

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